19. Dezember 2019

BMZ VERANSTALTUNG: FRAUEN ALS AGENTS OF CHANGE

Im Jahr 2014 wurde Najlaa Matto (damals 25) im Dorf Kocho im Nordirak von so genannten Kämpfern des Islamischen Staates ihrer Familie entrissen. Während dieses schrecklichen Jahres in ISIS-Gefangenschaft wurde Najlaa sexuell missbraucht, auf einem Sklavenmarkt verkauft und schließlich zu einer Waise gemacht. Gestern erhob sich Najlaa vor einem hochrangigen Expertengremium der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin und forderte mutig Gerechtigkeit.

“Ich will wissen, wo die Gebeine meiner Eltern und meines Bruders liegen, damit wir ihnen die würdige Bestattung geben können, die sie verdient haben!” Najlaas Aufruf zum Handeln wurde von HÁWAR-Gründerin Düzen Tekkal für die Zuschauer aus der nordkurdischen Sprache Kurmanji übersetzt. Najlaa forderte ein Ende der Straflosigkeit und betonte, dass viele vermisste Mädchen immer noch von denselben Tätern gefangen gehalten werden.

Sowohl die Podiumsteilnehmerinnen als auch die Gäste, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), dem Weltflüchtlingsrat, CARE und HÁWAR eingeladen worden waren, um über die Rolle von Frauen als Agents of Change in Flüchtlings- und Vertreibungskontexten zu diskutieren, zeigten sich zutiefst beeindruckt von Najlaas mutigen und unglaublich bewegenden Aussagen.

Dr. Elke Löbel vom BMZ führte weiter aus, dass Najlaa die Personifikation unseres Appells zum Handeln als internationale Gemeinschaft sei, diese Täter vor Gericht zu bringen und sicherzustellen, dass weibliche Akteure, die mit, für oder als Flüchtlinge und Binnenvertriebene arbeiten, die Unterstützung erhalten, die sie brauchen. In ihrer Rede vor Najlaas emotionalem Beitrag wurde ein Kurzfilm über HÁWARs BACK TO LIFE Women’s Empowerment Center im Vertriebenenlager Qadiya im Nordirak gezeigt. In ihrer Rede betonte Düzen Tekkal, dass Frauen wie diese, die fast unvorstellbare Gräueltaten durch den sogenannten IS überlebt haben, noch die Kraft und den Mut haben, weiterzumachen: “das sind wir es Frauen wie Ihnen, Najlaa, schuldig, weiterhin den guten Kampf zu führen”

Für das HÁWAR-Team war dieses Ereignis ein weiterer Beweis dafür, wie wichtig unsere anhaltenden Bemühungen sind, den Stimmen derer, die Geschichten wie die von Najlaa erzählen, eine internationale Plattform zu geben, auf der sie ihre Widerstandsfähigkeit und ihr Streben nach Gerechtigkeit unter Beweis stellen können. Ermöglicht wird diese Arbeit durch die unerschütterliche Unterstützung von Partnern wie dem BMZ und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ), starken Frauen und Überlebenden wie Najlaa, die sich nun befähigt fühlen, über ihre Erfahrungen zu sprechen, sowie den vielen großen Männern, die von unserer Geschichte berührt wurden und uns auch dann zur Seite standen, wenn es hart auf hart kam.