28. Januar 2021

ERNEUT SELBSTMORDE VON JESIDINNEN IN NORDIRAK

Content note: Suizid

Ahlam Kéro (links) und Asmahan Khidir (rechts im Bild), 15 und 20 Jahre alt, waren zwei junge Jesidinnen, die zwar den physischen IS-Terror überlebt haben, aber nicht dessen seelische Auswirkungen. Sie sind zwei von mindestens 11 JesidInnen in Irak, die sich in diesem, noch sehr jungen Jahr, das Leben genommen haben. Die zuständigen Behörden ermitteln noch zu den Hintergründen der Suizide, aber sie dürften sehr wahrscheinlich in den Traumafolgen und dem psychischen Stress begründet liegen, den die Pandemie derzeit auf die Bevölkerung im Irak ausübt. Das Selbstmordrisiko ist unter diesen Bedingungen für Überlebende des Genozids sehr hoch, besonders für diejenigen, die in den IDP-Camps leben.

Die Ursachen für Selbsttötungen sind stets vielschichtig und individuell. Doch mit den Traumata im Rücken und den psychischen Wunden, die ein Genozid hinterläßt, ist jeder Tag eine Zerreißprobe. Wenn noch Belastungen infolge der globalen Pandemie und die Unsicherheit hinzu kommen, ob und wann die aus ihren Heimatorten vertriebenen JesidInnen dorthin zurück kehren können, dann wird es dunkel in der Seele. Vor allem in den IDP-Camps im Irak gibt es nach wie vor viel zu wenig psychologische Betreuungsangebote, um psychisches Leid zu lindern.

Mit unserem BACK TO LIFE Women’s Empowerment Zentrum in einem der IDP-Camps leisten wir für IS-Überlebende Hilfe zur Selbsthilfe. Aber es bräuchte viel mehr solcher Angebote. Zu dieser Einschätzung kommt auch die Forschergruppe um den Psychologen Jan Ilhan Kizilhan, der seit Jahren mit vom Genozid Betroffenen im Irak und Deutschland arbeitet. Bald wird sein Team auch eine umfassende Studie zu Selbstmorden unter jesidischen Genozidüberlebenden vorlegen. Diese brauchen dringend eine Perspektive für das Weiterleben und geschulte TraumatherapeutInnen, denen sie sich anvertrauen können! Jede Seele zählt!

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