9. Dezember 2021 – AFGHANISTAN

WOMEN’S CONFERENCE FOR AFGHANISTAN

STIMMEN HÖRBAR MACHEN GEGEN MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IN AFGHANISTAN UND IRAK

Es geht nicht um Afghanistan, Deutschland oder Frankreich: Es geht um die Menschheit. Es geht um unsere gemeinsame Welt. Gerade jetzt ist ein Mitglied der internationalen Familie erkrankt: Afghanistan. Bitte zeigen Sie Ihre Unterstützung für unser Land, für alle Menschen in Afghanistan!” – Zarifa Ghafari

Die Women’s Conference for Afghanistan machte überdeutlich worum es geht: Eine geteilte Verantwortung jedes und jeder Einzelnen von uns für Menschenrechtsverletzungen weltweit. Unsere HÁWAR.help-Menschenrechtspreisträgerin Zarifa Ghafari brachte es in ihrer Dankesrede auf den Punkt. Sie ist eine der vielen Stimmen wunderbarer, engagierter und, ja: auch persönlich von Gewalt betroffener Frauen aus Afghanistan und aus Irak, die wir auf unserer Women’s Conference for Afghanistan gehört haben.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung setzte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, in einer virtuellen Grußbotschaft den Ton: „Women have the strength and the power to make our world a better place.” In ihrer Funktion als Kommissionspräsidentin ist Ursula von der Leyen verantwortlich für die Strategie und politischen Maßnahmen der EU, und somit auch unter anderem auch dafür, wie die internationale Entwicklungszusammenarbeit in Afghanistan weiter gehen wird und wie die Bevölkerung unterstützt werden kann. In ihrem Grußwort hob sie hervor, dass Frauen wie Zarifa Ghafari und Jihan A., der lebende Beweis dafür sind, dass starke Frauen Wandel herbei führen können und zukunftsweisend sind. Sie haben die Welt zu einem besseren Ort gemacht, dadurch dass sie ihre Geschichten teilen und sich weiter für die einsetzen, die ihre Geschichte noch nicht teilbar machen konnten.

Grußbotschaft von Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin

Women's Conference for Afghanistan in der Französischen Friedrichsstadtkirche

Jihan A. ist der IS-Gefangenschaft entronnen, hat ein Buch verfasst mit dem Titel „Dankbarkeit. Die schlimmste Zeit meines Lebens“, mit dem sie ihre leidvollen Erfahrungen verarbeitet hat. Erfahrungen, die beispielhaft sind für diejenigen tausender jesidischer Frauen, die vom IS verschleppt und versklavt wurden. In ihrer Dankesrede zum HÁWAR.help-Menschenrechtspreis, den ihr unsere Vorsitzende Düzen Tekkal überreichte, machte sie deutlich: „Ich möchte, dass die Welt nicht vergisst, was uns Jesidinnen und Jesiden widerfahren ist, damit so etwas nie wieder irgendeiner Frau auf der Welt, egal welche Hautfarbe, Religion oder wo sie her kommt, passiert. (…) Wir dürfen nicht aufhören, die Welt darauf aufmerksam zu machen, wo Frauen und Recht passiert und müssen ihnen dabei helfen, für ihre Rechte einzutreten.“

Von diesem Gedanken waren auch unserere beiden Diskussions-Panels getragen. Wir gingen Fragen nach der politischen Verantwortung Deutschlands und der EU für die Menschen in Afghanistan nach – insbesondere derjenigen, die am meisten vom neuen-alten Taliban-Regime bedroht sind. Sie erzählten alle aus ihrer Perspektive, wie es ihnen mit und nach der Machtergreifung in Afghanistan aber auch dem Terror-Feldzug des IS erging, wie sie aus eigener Betroffenheit heraus ins Handeln kamen und wie sie sich dafür einsetzen, dass die Situation in ihren Herkunftsländern zum Besseren gewendet werden kann.

“Wir haben viele Frauen, die zeigen, dass wir mehr sind. Dass Afghanistan mehr ist. Afghanistan ist nicht nur der Krieg oder Terror”, sagte Shegufa Bayat. Mit ihr sprach an diesem Abend eine Bergsteigerin, deren Leben in Afghanistan auf dem Spiel stand, und die mit Hilfe der von Theresa Breuer initiierten Kabul Luftbrücke hierzulande Zuflucht gefunden hat.

Mehr als 1.000 Menschen konnte Kabul Luftbrücke inzwischen evakuieren, unter großem persönlichem Einsatz aller Beteiligten. Ein selbstloser Akt und dennoch einer auf Augenhöhe: Theresa Breuer, der wir ebenfalls an diesem Abend den HÁWAR.help-Menschenrechtspreis verliehen haben, kennt das Land und die Menschen. Sie hat zwei Jahre in Afghanistan gelebt, hat einen Film über eine Gruppe afghanischer Bergsteigerinnen gedreht, die die höchsten Berge Afghanistans bestiegen haben. Durch ihren Einsatz haben genau diese Bergsteigerinnen jetzt die Chance bekommen, sich ein neues Leben in Freiheit aufzubauen. Und von Deutschland aus für sich selbst und gegen die Taliban zu sprechen.

Es sind Frauen wie Zarifa Ghafari, Shegufa Bayat und Jihan A. die hier nun ein Zeichen gegen diese brutale Gewalt setzen, die sie erfahren mussten. Sie sind Hoffnungsträger und haben die Kraft gefunden, traumatische Erlebnisse ein Stück weit in Handlungsmacht zu übersetzen, ihren eigenen Weg zu gehen und ihre Stimme für Menschenrechte und Gerechtigkeit einzusetzen. Zarifa Ghafari, Jihan A. und Theresa Breuer haben wir an diesem Abend drei HÁWAR.help-Menschenrechtspreise verliehen – drei wunderbaren Frauen, die uns mit ihrer Stärke und Unerschrockenheit begeistert haben.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Wir freuen uns, dass die Women’s Rights Conference für ein stärkeres Bewusstsein gesorgt hat für die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen der Taliban und dem noch lange nicht in seinen Auswirkungen bewältigten Genozid an den Jesiden. So wie wir in unserem Engagement für die Opfer des Genozids an den Jesiden nicht nachgelassen haben, werden wir nun auch nicht nachlassen, uns für die von der Taliban-Herrschaft bedrohten Menschen in Afghanistan einzusetzen. Dafür stehen wir mit unserer Initiative #AfghanistanWeSeeYou ein.

Wir haben ein Sieben-Punkte-Programm formuliert, das auf unseren Erfahrungen mit der Thematik basiert und mit dem wir uns mit konkreten Forderungen an politische EntscheidungsträgerInnen der Bundesrepublik, an die internationale Staatengemeinschaft sowie an die breite Zivilgesellschaft wenden.

Wir bedanken uns bei allen, die diesen Abend so besonders gemacht haben: Unseren wunderbaren Panelist:innen, den Moderatorinnen Shelly Kupferberg und Katie Gallus, den Laudator:innen, den Preisträger:innen, allen, die vor und hinter der Bühne für das Gelingen des Abends gesorgt haben, den Fotografen Markus C. Hurek und Richard Pflaume und unseren Partnern: BMW FoundationDeutsche Postcode Lotteriecomma sowie The Wunderwaffe.