26. Mai 2026 – IRAN
Während die weltweite Medien- und Politiklandschaft die geopolitischen Konsequenzen des Krieges in Iran laufend beobachtet und thematisiert, geht die Lage der Zivilgesellschaft im Land unter – sie werden von der Weltbevölkerung im Stich gelassen.
Dazu fand am 18. Mai 2026 in der Aula der Universität im Schloss von Osnabrück die Paneldiskussion „Menschenrechtslage in Iran” statt, mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe Prof. Dr. Lars Castellucci, Head of Iran Programs bei HÁWAR.help Mariam Claren sowie Diba Mirzaei vom GIGA Institut für Nahost-Studien. Unter der Moderation von Prof. Dr. Ulrich Schneckener, Center of the Study of Conflict and Peace, diskutierten die Panelist:innen die anhaltende Internetabschaltung, die Hinrichtungskrise, die Lage der politischen Gefangenen und die Möglichkeiten der Bundesregierung und der EU, die Menschen in Iran zu unterstützen, wie z.B. die Umsetzung der Terrorlistung der Revolutionsgarden sowie ein bundesweiter Abschiebestopp nach Iran und die Weiterführung humanitärer Visa für Betroffene.


Die Stadt Osnabrück hatte 2024 im Rahmen des Patenschaftsprogramms für politische Gefangene in Iran von HÁWAR.help als erste Kommune eine Patenschaft für die in Iran inhaftierte Schriftstellerin und Aktivistin Golrokh Iraee übernommen. Golrokh Iraee engagiert sich seit vielen Jahren gegen die Todesstrafe, für Frauenrechte und für Meinungsfreiheit. Bekannt wurde sie international, nachdem iranische Sicherheitskräfte 2014 ihre Wohnung durchsuchten und in ihren privaten Notizen eine unveröffentlichte literarische Geschichte fanden, in der sie sich kritisch mit der Steinigung als Strafe auseinandersetzte. Obwohl der Text nie veröffentlicht worden war, verurteilte ein Zweig des Revolutionsgerichts sie 2016 wegen „Beleidigung islamischer Heiligkeiten“ und „Propaganda gegen den Staat“ zu sechs Jahren Haft. Nach mehreren Jahren Haft wurde sie zeitweise freigelassen, jedoch weiterhin von den Behörden überwacht. Im Zusammenhang mit zunehmender Repression gegen Aktivistinnen und Aktivisten wurde sie 2022 erneut verhaftet und wieder in das Evin-Gefängnis gebracht. Im Frühjahr 2023 wurde sie verurteilt und befindet sich bis heute im Gefängnis (Stand Mai 2026). Im Mai 2026 zeichnete der Schriftstellerverband PEN America Golrokh Iraee mit dem Freedom to Write Award aus.


Veranstaltungen wie diese sind wichtig, um uns mit politischen Entscheidungsträger:innen und Wissenschaftler:innen auszutauschen und unsere Forderungen in die Öffentlichkeit sowie die Politik zu tragen. Diese werden immer mit Betroffenen zusammen erarbeitet und stellen Gerechtigkeit und Verhinderung weiterer Menschenrechtsverbrechen in den Mittelpunkt. Wir danken der Stadt Osnabrück für die Ausrichtung der Veranstaltung und plädieren weiterhin dafür, die Lage der Bevölkerung in Iran ins Zentrum der Berichterstattung zu stellen!