23. Februar 2021

EIN SCHMETTERLING ALS HOFFNUNGSSYMBOL

Vergangene Woche hieß es für SCHOOL TALKS: Raus aus dem gewohnten schulischen Umfeld und rein in den Uni-Alltag. Ausgehend von dem Dokumentarfilm „HÁWAR – Meine Reise in den Genozid“ kamen wir mit Studierenden der Humboldt-Universität zu Berlin ins Gespräch über Menschenrechte und das Jesidentum. Unser Gast: Matthias Hofmann, Autor des Buches „Kurdistan von Anfang an“.

„Ich finde es erschreckend, dass Volksgruppen, die Jahrzehnte lang friedlich miteinander gelebt haben, aneinander einen Genozid verüben“, sagte eine Studentin in der anschließenden Diskussion. Die Studierenden setzen sich in ihrem Seminar mit qualitativer Religionsforschung, verschiedenen religiösen Traditionen und religiösen Minderheiten in Konfliktsituationen auseinander.

Mit unserem Gast diskutierten die Studierenden das Konzept von Religion und Nation, die Position des Jesidentums in der religiösen Vielfalt des Mittleren Ostens und das Zusammenleben mit anderen Religionsgemeinschaften. Matthias Hofmann erläuterte, „Die Jesiden waren in diesem Flickenteppich von Religionen schon immer davon abhängig, mit ihren Nachbarn klarzukommen und Konflikten möglichst aus dem Weg zu gehen.“

„Ein ganz zentraler Grund, warum die Camps ein ganzes Stück weit funktionieren, sind die Mädchen. Sie stemmen den ganzen Laden mit einer enormen Sozialkompetenz“, sagt Matthias Hofmann basierend auf seinen persönlichen Erfahrungen nach mehreren Aufenthalten in der Region. Er erklärt sich die hohe Sozialkompetenz anhand der Sozialisation in Großfamilien, in denen jedes Familienmitglied lernt, ein Teil des großen Ganzen zu sein. Dieser Umstand dürfe jedoch nicht von der Armut und Not in den Camps, der Perspektivlosigkeit und der Bewältigung von Traumata der Menschen ablenken.

Trotz alledem schlummert in einigen Geschichten ein Quäntchen Hoffnung. Matthias Hofmann zeigte den Studierenden ein Bild einer jesidischen Künstlerin, die mehrere Jahre in Gefangenschaft des sogenannten „Islamischen Staats“ war. In einem Camp erkannte der Leiter ihr künstlerisches Talent und stellte ihr fortan ein Zelt als Atelier zur Verfügung. „Mein erster Eindruck war, dass sie der Schmetterling war und die Kette nie wieder loswird. Doch wenn man genau hinsieht, ist der Schmetterling kurz davor, den Haken aus dem Boden zu reißen. Das ist für mich viel aussagekräftiger als jede Statistik“, teilte Matthias Hofmann mit den Studierenden.

Wir bedanken uns herzlich bei unseren Partnern, der Deutschen Postcode Lotterie und Engagement Global, dafür, dass sie SCHOOL TALKS ermöglichen!

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