PATENSCHAFTSPROGRAMM

HÁWAR.help führt das Patenschaftsprogramm für von der Hinrichtung bedrohte und mit langjährigen Haftstrafen belegte politische Gefangene in Iran fort!

Unser Programm vermittelt Patenschaften für inhaftierte Iraner:innen, Aseris, Baha’i, Belutsch:innen, Kurd:innen, Lur:innen und weiterer Angehöriger von Minderheiten in Iran an deutsche Politiker:innen. Potenziell sind das die mehr als 20.000 Gefangenen, die seit dem Erstarken der Protestbewegung infolge des Mords an der Kurdin Jina Mahsa Amini im September 2022 festgenommen wurden: Aktuell sind etwa 110 Menschen akut von einer Hinrichtung bedroht. Viele der inhaftierten Personen sollen auf Jahrzehnte weggesperrt werden.

Mit Patenschaften wird Öffentlichkeit geschaffen für die Menschen, die das Regime am liebsten verschwinden lassen würde. Die Namen der Todeskandidat:innen werden öffentlich bekannt. Mit jeder einzelnen Patenschaft wird Druck auf das Regime ausgeübt.

Das Programm wurde bislang im beispiellosen Einsatz von Mariam Claren, Tochter der in Iran inhaftierten deutsch-iranischen Doppelstaatlerin Nahid Taghavi, der Aktivistin Daniela Sepehri und der Journalistin Mina Khani – beide ebenfalls mit familiären Bezügen zu Iran – geführt.

Seit Beginn des Programms konnten mehr als 400 Patenschaften an politische Amtsträger:innen vermittelt werden.

Den Livestream zum Kick-Off Event findet ihr hier.

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INITIATORIN DANIELA SEPEHRI ÜBER DAS PATENSCHAFTSPROGRAMM

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PANEL ZUR ÜBERNAHME DES PATENSCHAFTSPROGRAMMS

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DAS KANN EINE POLITISCHE PATENSCHAFT BEWIRKEN

Mit jeder Patenschaft, die übernommen wird, wird Öffentlichkeit geschaffen für Menschen, die das Regime am liebsten klammheimlich töten würde. Die Namen der Todeskandidaten werden bekannt und es wird Druck auf die Machthaber ausgeübt.

Patenschaften haben bereits zu Folgendem beigetragen:

  • Inhaftierte, denen die Todesstrafe drohte, wurden auf Kaution wieder freigelassen
  • Hafterleichterungen
  • Zugang zu einem Anwalt
  • Medizinische Versorgung
  • Telefonate mit engsten Angehörigen

Dennoch: das Ziel ist immer die Aufhebung der Todesurteile bzw. der Anklagepunkte sowie die Freilassung der Inhaftierten. Wir werden uns mit dem Patenschaftsprogramm mit aller Kraft für die Inhaftierten einsetzen!

 

INITIATORIN MARIAM CLAREN ÜBER INTERNATIONALEN DRUCK

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FRAGEN UND ANTWORTEN – DAS WICHTIGSTE AUF EINEN BLICK

  • Wer kann eine politische Patenschaft übernehmen?

Im Rahmen unseres Patenschaftsprogramms können Abgeordnete, Vereinigungen, Gewerkschaften und Organisationen Patenschaften für politische Gefangene in Iran übernehmen. Aktuell ist es aus Kapazitätsgründen nicht möglich, dass Einzelpersonen Patenschaften übernehmen. Trotzdem möchten wir Euch ermutigen, über das Schicksal der politischen Gefangenen in Iran weiter über die sozialen Medien zu informieren, damit die öffentliche Aufmerksamkeit nicht schwindet. Es gibt einige Organisationen, die Updates zu den Fällen veröffentlichen,z.B. HRANA, Hengaw oder 1500tasvir.

  • Ich bin Abgeordnete:r und möchte eine Patenschaft übernehmen. Was ist der erste Schritt?

Schreiben Sie uns gerne eine Mail an patenschaften@hawar.help, dann weisen wir Ihnen einen Fall zu. Aus organisatorischen Gründen können Sie sich keine Gefangenen “aussuchen”.

  • Nach welchen Kriterien werden die Gefangenen vermittelt?

Wir vermitteln die politischen Gefangenen, die seit dem 16. September 2022 festgenommen worden sind. Priorität haben zunächst all diejenigen, die ein Todesurteil erhalten haben oder mit Anklagepunkten vor Gericht stehen, die zu einem Todesurteil führen könnten. Auch Kinder unter 18 Jahren stehen in unserer Priorität ganz weit oben.

  • Welchen Effekt hat eine politische Patenschaft?

Eine politische Patenschaft ist ein wichtiges Instrument, um politischen Druck zu erzeugen und mediale Aufmerksamkeit für eine:n bestimmte:n politischen Gefangene:n zu schaffen und sich für diese Person einzusetzen. (Ehemalige) politische Gefangene und ihre Angehörigen bestätigen immer wieder: Öffentlichkeit und politischer Druck können die Gefangenen schützen.

Die Islamische Republik Iran setzt Familien und Gefangene systematisch unter Druck, nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. Verhöre, erzwungene Geständnisse, unfaire Gerichtsprozesse sowie Verurteilungen sollen im toten Winkel stattfinden. Politische Patenschaften helfen, dieses Unrecht ans Licht zu bringen.

  • Kann Öffentlichkeit nicht auch schaden?

In der Vergangenheit hat Öffentlichkeit die Gefangenen immer ein Stück weit geschützt. Das ist allerdings nicht als Garantie zu verstehen. Öffentlichkeit schadet nur dem Regime, nicht den inhaftierten Gefangenen. Im schlimmsten Fall ändert sich nichts, im besten Fall führt der Einsatz zu verbesserten Haftbedingungen oder sogar zu Freilassungen. Es gibt jedoch Momente, in denen es besser ist, nicht die Öffentlichkeit zu suchen, z.B. nach einer Freilassung. Wir streben eine enge Zusammenarbeit mit den Abgeordneten an, um solche Details und Strategien laufend zu besprechen.

  • Was sind die Aufgaben der politischen Paten und Patinnen?

Politische Paten und Patinnen schreiben regelmäßig Briefe an den iranischen Botschafter, um Druck auszuüben. Sie schreiben auch dem Auswärtigen Amt, der Menschenrechtsbeauftragten und weiteren politischen Instanzen in Deutschland und in der EU, um Druck auszuüben, sich für die Gefangenen einzusetzen. Zudem schaffen die Abgeordneten mediale Aufmerksamkeit – durch regelmäßige Social Media Posts und durch klassische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

  • Warum gibt es zu einigen Gefangenen so wenige Informationen?

Das liegt an der Intransparenz des Regimes, an der Internetsperre und an der enormen Gefahr für die Menschen in Iran, mit Medien und Organisationen im Ausland zu sprechen.

  • Können Paten und Patinnen Kontakt zur Familie aufnehmen?

Wir nehmen selbst keinen Kontakt zu Familienangehörigen auf, da dies die Betroffenen in Gefahr bringen kann. Manchmal melden sich die Angehörigen direkt bei den Abgeordneten, wenn sie es für sicher und notwendig erachten. Um zu ermöglichen, von den Angehörigen “gefunden” zu werden, empfehlen wir, die Namen der Gefangenen immer als Hashtag unter den Social Media Posts zu setzen.

  • Können Paten und Patinnen mit den Gefangenen, die freigelassen wurden, in Kontakt treten?

Wir stellen keinen Kontakt zu den Freigelassen her, da es für die Betroffenen gefährlich sein kann und die meisten auch nach Freilassung unter Beobachtung stehen. Wir können daher nicht verantworten, sie in Gefahr zu bringen. Wenn die Betroffenen es als notwendig und sicher erachten, werden Sie bestimmt über Social Media selbst den Kontakt mit der Öffentlichkeit suchen.