IRAN

Am 13. September 2022 wurde die 22-jährige Kurdin Jina Mahsa Amini in Teheran von der sogenannten Sittenpolizei festgenommen, da sie den obligatorischen Hijab nicht “korrekt” trug. In Gewahrsam wurde sie so schwer misshandelt, dass sie in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort erlag sie am 16. September ihren schweren Verletzungen. Dies löste eine globale Protestwelle aus: Zunächst in Jinas Geburtsort Saqqez, wo der aus der kurdischen Frauenbewegung stammende Slogan “Jin, Jiyan, Azadi” (Frau, Leben, Freiheit) laut und bald auch in ganz Iran hörbar wurde – bis schließlich auf der ganzen Welt Menschen auf die Straße gingen. Das Regime der Islamischen Republik Iran reagierte brutal und gnadenlos: Tausende von Demonstrierenden in Iran wurden festgenommen, angeklagt und in unfairen Scheinprozessen zu langen Haftstrafen oder gar zum Tode verurteilt. Auch über die Protestbewegung hinaus unterdrückt das Regime in Iran die Bevölkerung seit Jahrzehnten brutal und führt einen systematischen Krieg gegen Frauen, der sich in der Gender-Apartheid manifestiert.

Seit Jahren versuchen sich die Menschen in Iran von der islamistischen Diktatur zu befreien. Expert:innen sprechen von einem revolutionären Prozess, der andauert und immer wieder aufflammt. So auch drei Jahre später: Ende Dezember 2025 brachen erneut Proteste gegen die Regierung aus, indem ausgelöst durch die schlechte Wirtschaftslage im Land die Verkäufer des Grand Bazaar Tehran in den Streik traten und demonstrierten. Die Proteste breiten sich schnell geografisch und gesellschaftlich aus; bald ging es nicht mehr nur um die Wirtschaftslage, sondern um das gesamte Regierungssystem der Islamischen Republik Iran – die Menschen forderten lautstark einen Systemwechsel. Auch hier ging das Regime brutal vor und schlug die Proteste unter Einsatz von Tränengas, Schlägen, Schüssen und Verhaftungen gewaltsam nieder. In der Nacht vom 08. zum 09. Januar kam es zu einer landesweiten Internetabschaltung durch das Regime. Ein Vorgehen, das bereits in der Vergangenheit genutzt wurde, um Verbrechen an der Bevölkerung zu begehen. So auch dieses Mal: Nach und nach erreichten immer mehr Aufnahmen die Weltöffentlichkeit und offenbarten ein unvorstellbar grausames Massaker. Am 27. Januar 2026 meldete die Menschenrechtsorganisation HRANA 6.221 verifizierte Todesfälle und weitere 17.091 Todesfälle, die aktuell untersucht werden, darunter auch Minderjährige. 42.324 Menschen wurden verhaftet, bei den meisten von ihnen ist der Aufenthaltsort (Stand Anfang Februar 2026) ungewiss. Die Dunkelziffer liegt vermutlich noch viel höher: Das Exilmedium Iran International spricht von 36.500 Getöteten innerhalb 48 Stunden am 08./09. Januar. Sollten sich diese Zahlen bestätigen, beging das Regime in Iran das wohl schlimmste Massaker an Zivilist:innen durch Schusswaffen seit dem zweiten Weltkrieg.

Der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben in Freiheit verbindet alle jüngsten Protestbewegungen in Iran. HÁWAR.help hat sowohl die feministische Revolution als auch die jüngsten Proteste in Iran von Beginn an begleitet und versteht sich als Schallverstärker der Freiheitsbewegung für Menschen- und Frauenrechte in Iran. Genau für diese Rechte treten wir international ein und verurteilen die schrecklichen Vorgehensweisen des Regimes. Unsere Arbeit zur Unterstützung der Menschen in Iran hat mehrere Schwerpunkte:

  1. Wir arbeiten politisch. Wir formulieren politische Forderungen zur Förderung von Demokratie und Menschenrechten in Iran. Wir stehen in engem Kontakt mit der iranischen Diaspora, Opfern des Regimes, Aktivist:innen und Expert:innen führen politische Gespräche und stellen sicher, dass die Forderungen die Politik erreichen.
  2. Wir arbeiten journalistisch. Wir beobachten und berichten über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe.
  3. Wir organisieren Protest. Wir organisieren Kampagnen und Demonstrationen, um Menschen zu mobilisieren, die Freiheitsbewegung in Iran zu unterstützen.
  4. Wir betreuen das Patenschaftsprogramm für politische Gefangene in Iran. Wir vermitteln Patenschaften für Gefangene, die für ihren Einsatz für Freiheit vom Regime in Iran kriminalisiert werden. Mit jeder Patenschaft wird Öffentlichkeit und politischer Druck geschaffen für Menschen, die das Regime in Iran am liebsten ermorden würde. Patenschaften können Haftbedingungen verbessern, Freiheit schenken und sogar Leben retten. Mehr als 450 Abgeordnete des Bundes- und Landtages sowie EU-Parlaments haben bereits Patenschaften übernommen.
  5. Wir bieten Betroffenen eine Plattform. Ob ehemalige politische Gefangene, Familienangehörige von Getöteten oder Protestierende – wir bieten Betroffenen, die Zuflucht in Deutschland gefunden haben, die Möglichkeit ihre Geschichten bei politischen Entscheidungsträger:innen, Institutionen und Medien zu platzieren.
  6. Wir fordern Gerechtigkeit. Wir dokumentieren Menschenrechtsverbrechen und identifizieren Verantwortliche in der der Islamischen Republik Iran und setzen uns für ihre Aufnahme auf EU-Sanktionslisten sowie deren Strafverfolgung ein.

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